Fallstrick
Letzten Samstag war es wieder soweit. Zeit, Einkäufe zu erledigen. Für viele Menschen eine Selbstverständlichkeit. Für hochsensible Menschen – wie mich – jedoch nicht wirklich. Es ist oft eine Herausforderung, bei mir selbst zu bleiben und mich nicht von der Umgebung überreizen oder überwältigen zu lassen, wodurch mein Energielevel abstürzt und ich ein Stück weit mich selbst verliere.
Meine Energie war aufgebraucht, bevor ich es überhaupt bemerkt hatte. Dadurch war ich weniger mit mir selbst und mit meinem Partner verbunden. Das wiederum löst bei ihm eine Reaktion aus, wodurch auch er den Kontakt verliert und es sehr schwierig wird, die Verbindung wiederherzustellen.
Mein Partner merkt oft schon früher als ich selbst, wenn ich meine Grenzen überschreite und Gefahr laufe, mich zu verausgaben.
Manchmal wird mir das erst bewusst, wenn ich mittendrin stecke, oder erst im Nachhinein, wenn ich über die Situation nachdenken kann. So merke ich also zu spät, wenn ich meine Grenzen überschritten habe und keine Energie mehr habe. Es gelingt mir zwar, mich wieder ins Gleichgewicht zu bringen, aber dann ist „der Schaden“ (in Bezug auf die Verbindung) bereits angerichtet, und es bedarf eines langen Gesprächs und noch einiges mehr, um die Verbindung zu meinem Partner wiederherzustellen.
Was ist Hochsensibilität?
Hochsensibilität – auch als HSP (Highly Sensitive Person) bezeichnet – ist eine Charaktereigenschaft, keine Krankheit oder Störung. Es bedeutet einfach, dass man einfühlsamer ist als die meisten Menschen. Dein Nervensystem arbeitet nämlich intensiver, wodurch du empfindlicher bist. Es leistet sozusagen Überstunden, wodurch du schnell überreizt oder überfordert bist.
Etwa 20% der Bevölkerung sind offenbar hochsensibel. Oft ist dies angeboren und genetisch bedingt. Manchmal kann dies durch die Erziehung, das Umfeld oder ein traumatisches Ereignis noch verstärkt werden.
Du bist innerlich empfänglicher für Emotionen, Schmerz, Freude und andere geistige und körperliche Empfindungen. Äußerlich betrachtet verfügst du über besonders empfindliche Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten), wodurch du empfänglicher für visuelle Eindrücke bist.
(z. B. Hell und Dunkel), Geräusche, Gerüche, Geschmäcker und taktile Reize (z. B. Berührungen).
Außerdem nimmst du oft auch mehr Eindrücke wahr. Du „scannst“ sozusagen deine Umgebung, um zu prüfen, ob sie sicher ist, wodurch du dir der Details und möglicher Szenarien, die eine Umgebung mit sich bringt, bewusster wirst. So bist du wachsamer gegenüber möglichen Gefahren und neigst dazu, Situationen zu überdenken und einzuschätzen.
Einige Merkmale der Hochsensibilität
Im Folgenden findest du einige Merkmale von Hochsensibilität. Es gibt noch weitere, dies ist keine vollständige Liste. Vielleicht erkennst du dich in einem oder mehreren dieser Merkmale wieder?
- Du nimmst subtile Signale in deiner Umgebung wahr.
- Du lässt dich von den Stimmungen anderer beeinflussen.
- An stressigen Tagen hast du ein stärkeres Bedürfnis, dich zurückzuziehen.
- Man wird leicht von Dingen wie grellem Licht, intensiven Gerüchen, groben Stoffen oder lauten Sirenen überfordert.
- Du hast eine reichhaltige und vielschichtige innere Erlebniswelt.
- Du gibst dir große Mühe, Fehler zu vermeiden oder nichts zu vergessen.
- Du fühlst dich unwohl, wenn um dich herum viel los ist.
- Starker Hunger hat einen großen Einfluss auf deine Konzentrationsfähigkeit oder deine Stimmung.
- Du hast ein Gespür für zarte Düfte, Geschmäcker, Klänge und Kunstwerke, genießt sie und kannst dich davon tief berühren lassen.
Quelle: Wikipedia
Wenn du wissen möchtest, ob auch du hochsensibel bist, dann kannst du den Selbsttest auf der Website von HSP Flandern.
Hochsensibilität als Stärke nutzen
Als hochsensibler Mensch wirst du von deinem Umfeld – Familie, Freunden, Kollegen usw. – möglicherweise als schüchtern und gehemmt wahrgenommen. Sie empfinden dich als etwas distanziert, wenig durchsetzungsfähig und weniger kontaktfreudig. Dies ist eigentlich die Folge einer notwendigen Anpassung an deine angeborene Hochsensibilität, wodurch du vorsichtiger mit dir selbst und deiner Umgebung umgehen musst.
Vielleicht empfindest du deine Hochsensibilität eher als Belastung denn als Bereicherung. Die Tatsache, dass du sensibler bist als die meisten Menschen und dein Nervensystem auf Hochtouren läuft, führt dazu, dass du leichter überreizt und überfordert bist als jemand, der nicht hochsensibel ist.
Du kannst deine Hochsensibilität jedoch auch als Stärke in deinem Leben nutzen. Das bedeutet nämlich, dass du über ein großes Einfühlungsvermögen verfügst und in einer ruhigen Umgebung Informationen besser als der Durchschnitt aufnehmen kannst, wodurch du ein besseres Auge für Details und Nuancen hast. Wenn du dir deiner Hochsensibilität bewusst bist, kannst du deinen Lebensstil entsprechend anpassen und sie so als positive Eigenschaft und Stärke in deinem Alltag nutzen.
Darüber hinaus verfügst du als hochsensible Person über eine Reihe von Eigenschaften, die du sowohl in deinem Privatleben als auch im beruflichen Umfeld besonders hervorheben kannst. Du bist gewissenhaft, genau, pflichtbewusst, loyal, präzise, pünktlich, sorgfältig, qualitätsorientiert und verfügst über ein ausgeprägtes Verständnis für Menschen und Prozesse.
Einige Tipps und Tricks, um Hochsensibilität als Stärke zu nutzen
Schaffe dir ein wohltuendes Morgenritual:
- meditiere
- Mach Yoga oder Dehnübungen
- Formuliere deine Tagesabsicht
- Ein gesundes und nahrhaftes Frühstück ist wichtig
- Nimm eine belebende Dusche
Gönnen Sie sich ausreichend Ruhe:
- Schlaf ausreichend
- Planen Sie im Laufe des Tages Ruhepausen und Pausen ein
- Mach ein Power-Nickerchen
Plane Zeit für dich selbst ein:
- Sorge dafür, dass du dir Zeit für dich selbst nimmst, um neue Energie zu tanken und Reizüberflutung zu vermeiden
- Machen Sie einen Spaziergang in der Natur: Garten, Park, Wald, Heide, Strand
- Lies ein entspannendes Buch
- Hör beruhigende Musik
Vermeiden Sie belebte Umgebungen:
- Versuchen Sie, Menschenansammlungen und große Gruppen so weit wie möglich zu vermeiden
- Einige Beispiele: belebte Städte, Festivals, Staus, belebte (Einkaufs-)Straßen oder (Einkaufs-)Zentren
Achte auf deinen Körper:
- Beobachte deine Atmung
- Atme etwas tiefer und voller
- Scanne deinen Körper von Kopf bis Fuß und beschreibe die dabei auftretenden Empfindungen
- Spüre deine Füße auf dem Boden
Finde ein gutes Gleichgewicht zwischen deinem Perfektionismus und deiner Kreativität:
- Fehler machen
- Achte auf deine Grenzen
- Lass die Meinung anderer los
- Mach etwas Kreatives, wie zum Beispiel schreiben, zeichnen oder singen
Passe deine Denkweise an das an, was du sein möchtest:
- Machen Sie sich alte (hemmende) Überzeugungen, Minderwertigkeitsgefühle, Widerstände und Blockaden bewusst
- Arbeite daran mithilfe von Coaching oder Therapie
- Versuche, mehr zu fühlen statt zu denken
- Verlasse deine Komfortzone und probier doch mal etwas Neues aus
Was kannst du jetzt tun?
Dann solltest du wissen, dass du gemeinsam mit mir daran arbeiten kannst.
Da ich aus eigener Erfahrung spreche, habe ich jede Menge Tipps, Tricks und Techniken, die ich dir beibringen kann, damit du deine Hochsensibilität als Stärke nutzen kannst, anstatt sie als Fallstrick zu betrachten.
Und ja, wie du am Anfang des Blogs gelesen hast, bin auch ich manchmal überreizt und überfordert. Das bleibt ein ständiger Schwerpunkt und erfordert zwar ein gewisses Maß an Achtsamkeit, aber keine Sorge: Du kannst Schritt für Schritt gemeinsam mit mir daran arbeiten, damit deine Hochsensibilität zu einer Stärke wird.
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Hey Tuur, schade, dass die Entfernung so groß ist. Ich erkenne mich in deinem Blog wieder, mit all den damit verbundenen Schwierigkeiten. Mach weiter auf der Suche nach Ausgeglichenheit. Schön zu hören, dass es vielleicht Lösungen gibt.
Liebe Grüße, Birgit