Die Bedeutung des Blickkontakts
Sowohl in individuell wenn Gruppensitzungen wie Familienkonstellationen oder Arbeit mit dem inneren Kind Mir fällt immer wieder auf, wie wichtig Augenkontakt ist. Den anderen sehen und vom anderen gesehen werden. Das ist von entscheidender Bedeutung.
Als Erwachsener – und auch als Kind – sehnt man sich nämlich danach, so gesehen zu werden, wie man wirklich ist. Mit allem, was da ist und was nicht da ist, mit all deinen Stärken und Schwächen.
Und gleichzeitig verbirgt sich dahinter oft auch eine große Angst.
Angst vor:
- abgelehnt zu werden
- nicht gesehen zu werden
- ohne Liebe zu sein
- …
Der Blick deiner Eltern
Oft wurdest du als Baby, Kind oder junger Erwachsener von deinen Eltern und deinem Umfeld nicht wirklich so gesehen, wie du warst. Man betrachtete dich durch eine gefärbte Brille voller Erwartungen, Bedürfnisse, Wünsche, Sehnsüchte und manchmal auch Urteile. Nicht durch einen neutralen, liebevollen Blick, der dich nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Herzen und der Seele sah.
Dieser liebevolle Blick fehlte oft. Kein Wunder, dass man als Erwachsener immer noch nach einem solchen (Augen-)Blick sucht und sich danach sehnt. Man sucht ihn bei Freunden, Geliebten, Liebhabern, Vorgesetzten, Gurus …
Oft wählst du daher unbewusst einen Partner aus, der dieses Defizit ebenfalls erlebt hat. Da du dies von deinen Eltern und deinem Umfeld nie oder kaum gelernt hast, fällt es dir schwer, deinem Partner dies zu geben, und vielleicht fällt es auch deinem Partner schwer, dir dies zu bieten.
Wenn ich auf meine eigene Herkunftsfamilie zurückblicke, dann stelle ich heute als erwachsener Mann fest, dass mein Vater mich oft nicht wahrgenommen hat. Und wenn er mich schon wahrnahm, dann sah er mich nicht so, wie ich bin, sondern wünschte sich, ich wäre anders. Meine Mutter sah mich zwar, aber durch eine gefärbte Brille. Ihre Augen waren ständig auf mich gerichtet, mit einem Blick, aus dem ihre eigenen Bedürfnisse sprachen. Ein Blick, der alles Mögliche von mir verlangte, anstatt mir das zu geben, was ich brauchte.
Über Aufstellungen und Arbeit am inneren Kind wurden mir diese Sichtweisen meiner Eltern klar. So konnte ich ihnen mit mehr Nachsicht begegnen. Ich konnte nämlich selbst erkennen, dass sie die Aspekte, die ihnen als Kinder gefehlt hatten, auf mich projizierten und dass dies so von Generation zu Generation weitergegeben wurde.
Einstellungen sorgen dafür, dass ich diesen generationsübergreifenden Mangel durchbrechen kann, damit ich ihn nicht selbst an zukünftige Generationen weitergeben muss. So entstehen Heilung und Freiheit.
Verletzlich sein und es wagen, Verletzlichkeit zuzulassen
Außerdem ist es oft beängstigend und einschüchternd, wirklich zu sehen und gesehen zu werden. Es ist, als stünde man nackt vor dem anderen, und dieser könne durch all deine Schutzpanzer und Überlebensmasken hindurch bis in dein Herz und deine Seele blicken. Das ist sehr verletzlich und zugleich auch sehr kraftvoll, wenn man es wagt, dies zuzulassen. Durch Therapie Und glücklicherweise kann diese Lücke durch deinen persönlichen Entwicklungsprozess geschlossen werden. Auch eine herzliche, liebevolle Beziehung kann dabei eine große Rolle spielen und Heilung bewirken.
Sich sichtbar machen
Indem ich das hier so niederschreibe, mache ich mich sichtbar. Das ist aufregend, sehr offen und verletzlich. Und während ich das schreibe, spüre ich auch die Kraft, die Lebensenergie.
Ich möchte dich herzlich einladen, gemeinsam mit mir deine Verletzlichkeit zu zeigen und deine Geschichte zu erzählen, damit auch du deine Stärke spüren kannst.
- Wann und von wem hast du dich nicht wahrgenommen gefühlt?
- In welchem Moment und bei wem hattest du das Gefühl, wirklich wahrgenommen zu werden?
- Wann konntest du den anderen nicht so sehen, wie er wirklich war?
- Und gab es auch Momente, in denen du das konntest?
- War das damals gegenseitig oder nicht?
- Und wie hast du dich damals gefühlt?
- Kannst du dich selbst so sehen, wie du bist?
Kurz gesagt: Ich bin gespannt auf deine Geschichten.